Die Rückkehr des Odysseus

Von Rosemary Sutcliff (Autor) und Alan Lee (Illustrator)
Verlag Freies Geistesleben
ISBN: 9783772516627

Die Rückkehr des Odysseus

Auch wenn Homer, der griechische Dichter, im Buch nicht als Autor dieses berühmten Werks der Literaturgeschichte genannt wird, so ist es doch sein Epos. Aufgeschrieben in Hexameterversen vermutlich zwischen dem 8. und 7. Jahrhundert, vermag die skurrile Irrfahrt von Troja nach Ithaka selbst noch heute junge Leute begeistern. Freilich nicht in der kunstvoll-musikalischen Form jener Zeit, sondern in der Sprache von heute. 

Das versteht die englische Autorin in exzellenter Weise. Dank ihrer Wortgewandtheit überlistet der listige Odysseus ein weiteres Mal die Sirenen sowie Polyphem und lässt ihn an den Thrakern und den Freiern nahezu verzweifeln. Die Odyssee ist ein literarisches Kunstwerk, voller Abenteuer, die wie Perlen an einem prallen Spannungsbogen aufgereiht sind, der sich erst auf den Inseln rund um Ithaka schließt. 

Die lebendig-wirklichkeitsnah gezeichneten Illustrationen von Alan Lee entführen den Leser gänzlich in die so coole Zeit der Antike.

Kurzrezensionen im Anhang zum Artikel: „LasseMaja und die Ganoven von Valleby“

von Martin Widmark (Autor) und Emilia Dziubak (Illustrator)
Verlag: arsEdition
ISBN-13: 9783845825991

Als Larson das Glück wiederfand

Wenn die Gelenke knacken, die Augen nicht mehr so richtig wollen, wenn einem alten Mann die Frau gestorben ist und er allein in seinem Haus wohnt, dann ist das höchste Alarmstufe für dahin schwindende Lebensfreude. Ein solch typischer Fall ist Larson. Da passt es nicht ins Bild, dass ihn spätabends der Nachbarsjunge aus dem Bett läutet, ihm einen Blumentopf in die Hand drückt und ihn fast schon dreist bittet, sich um diesen zu kümmern, während er mit seiner Familie auf Reisen ist.

Natürlich ist Larson zunächst empört über diesen Jungen, aber bald schon macht er eine spannende Entdeckung: Irgendwie kehrt mit dem Blumentopf, der Blume, dem Lausebengel und der neuen Aufgabe wieder Licht und Leben in die Trostlosigkeit seines Alltags. Ein kleines, störendes Ereignis löst ein gewaltig-mitmenschliches Beben von Hoffnung und Freude aus. Bewegend und ergreifend. Der wunderbar abgestimmte Zusammenklang von Text und Bild erlaubt es, von einem Gesamtkunstwerk zu sprechen.


von Martin Widmark (Autor), Helena Willis (Illustrator)
Verlag Ueberreuter 
ISBN-13: 9783800056477

Das Goldgeheimnis: Detektivbüro LasseMaja, Bd. 10

Per Kraage, der Bankdirektor von Valleby, ist schrecklich aufgeregt, als er für eine Aktion die Verantwortung übernehmen muss, die in diesem Städtchen weiß Gott nur alle hundert Jahre einmal passiert: eine Kiste mit 250 kg Gold soll für eine Nacht im Tresorraum seiner Bank zwischengelagert werden. Der Polizeiinspektor sowie Lasse und Maja verfolgen den Transport. 

Niemandem fällt zunächst auf, dass gleich zwei Kisten angeliefert werden, nicht eine, wie auf dem Frachtschein vermerkt. Die Sicherheitschefin der Bank tanzt Flamenco, als die Kisten abgestellt sind, der Buchhalter, der dritte Bank-Offizielle, ist auf Arztbesuch. Die Spannung steigt stetig, eine Seltsamkeit folgt auf die nächste. Kein Wunder eigentlich, dass am folgenden Morgen das Gold verschwunden ist. Lasse und Maja ermitteln jedoch in nahezu professioneller Weise und kommen der Lösung näher. Verständlich geschrieben und inhaltlich gut nachvollziehbar für Kinder. Ein Kriminalfall erster Klasse, doch ohne Mord und Brutalitäten. Das Ende birgt die ganz große Überraschung, wow!


von Martin Widmark (Autor), Helena Willis (Illustrator)
Verlag: Ueberreuter
ISBN-13: 9783764150075

Detektivbüro LasseMaja – Das Krankenhausgeheimnis (Bd. 17)

In Vallebys Krankenhaus passiert Wunderliches: goldene Ohrringe, wertvoller Halsschmuck, sündhaft teure Fingerringe werden gestohlen. Aber nur den Patienten, denen ein Gips angelegt wurde. Die Logik besticht, dass nur drei Personen als Täter infrage kommen, denn nur diese haben Zutritt zum Behandlungsraum der Gips-Patienten. Doch wie Lasse und Maja schnell herausfinden, hätte eigentlich jeder von den dreien ein Motiv hierfür. Schließlich verplappert sich der Täter am Ende und verrät sich dadurch selbst. Sein Trick war allerdings genial – fast genial.

Eine muntere, durch und durch spannende Geschichte. Nicht nur für Kinder, auch mit- oder vorlesende Erwachsene dürften ihren Spaß daran haben. Hierzu verhilft nicht nur der flott und beschwingt geschriebene Text, sondern auch die ulkig-überzeichneten Typen in Bildform. 


von Martin Widmark (Autor), Emilia Dziubak (Illustrator)
Verlag: arsEdition
ISBN-13: 9783845822051

Linas Reise ins Land Glück

Eine spannende Geschichte wünschte sich Daniel vor dem Einschlafen von Lina. Und diese erzählte: aufregend und gruselig, ein Märchen der nicht so ganz netten Art. Wie schon Alice, die durch Zufall einst ins Wunderland geraten war, führte eine Schlittenfahrt auch Lina, die Erzählerin, in ein Traumland. Dort wurde sie von Käfern, Tausendfüßlern und anderen Insekten zunächst freundlich willkommen geheißen. Doch diese neue Welt, die den Namen Glück trug, sollte sich bald für Lina als Horror-Areal erweisen. Herrscher dieses Landes war in Wahrheit eine Krabbe, die sich von gefangenen Kindern Perlen vom Meeresboden heraufholen ließ. Glücklicherweise traf Lina dort auf ihren vermissten Bruder. Mit ihm und all den anderen unglücklichen Kindern fand sie einen Weg zurück in die alte, heiß geliebte Welt. Die Krabbe aber bekam ihre Strafe, wie es in einem Märchen so vorgesehen ist.

Die Märchenelemente sowie der direkte Bezug zu Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ sind hier nicht zu übersehen. Märchen schrecken, wie man weiß, nicht vor Grausamkeiten und fehlender Kinderliebe zurück. Kinder werden hier oft genug im Umfeld böser Mächte allein gelassen. Gut, dass zumindest am Ende den Guten Gerechtigkeit widerfährt und nach all der Aufregung der Leser wieder zur Ruhe kommen darf. 

Wer nach „Hänsel und Gretel“ einschlafen kann, wird auch mit diesem Buch gut zurande kommen. Augenschmaus sind wieder einmal die Illustrationen von Emilia Dziubak.   

LasseMaja und die Gauner von Valleby

„Das Schlossgeheimnis“ aus der Buchreihe „Detektivbüro LasseMaja“ von Martin Widmark

Die weltweite Reputation der schwedischen Kinder- und Jugendliteratur ist beeindruckend. Was hat dieses Land nicht schon alles an literarischen Kostbarkeiten hervorgebracht! Jedes zehnte in Schweden veröffentliche Buch ist ein Kinderbuch. Seit Jahrzehnten sind die Bücher schwedischer Autoren ein Exportschlager. 

Natürlich ist Astrid Lindgren, die Grande Dame der schwedischen Kinder- und Jugendliteratur, an erster Stelle zu nennen, die mit ihren Erzählungen rund um ihre Kindheit sowie den Geschichten über das Erlebnis Pubertät oder über Sterben und Tod Generationen bewegte. Aber eine Reihe begnadeter Autoren folgen ihr nach, wie Sven Nordqvist, Rose Lagerkrantz, Ulf Stark, Mikael Engström, Ole Könnecke, Mats Wahl, Annika Thor oder Pija Lindenbaum. 

Nicht zu vergessen Martin Widmark, dessen Protagonisten eine Lebenswelt vorfinden, die ihnen jegliche Freiheit zur Entfaltung lässt. Das Ergebnis: Kinder mit Selbstständigkeit, Welt-Vertrauen und Mut.

Seltsam, seine aktuell so erfolgreiche Reihe „Detektivbüro LasseMaja“ beinhaltet all das, was auch die Bullerbü-Szenen den Kindern der Welt unbewusst vermittelt haben:

  • Eine überschaubare, kleinstädtisch-dörfliche Szenerie, überschaubar und geordnet
  • Respektspersonen, die diese Ordnung aufrecht erhalten, wie z. B. der Polizeichef, der Pfarrer, der Schulleiter
  • Kinder, die in diesem festen äußeren Rahmen eine Unmenge an Freiheit genießen.
  • Eine stabile Welt, der man vertrauen kann; die aber dennoch keine heile Welt darstellt. Nischen für Abenteuer sind in Fülle vorhanden.
  • Den Kindern wird in dieser Welt letztlich nicht übel genommen, dass sie mit Lust und Spaß die Schwächen der Erwachsenen, vor allem der „Respektspersonen“, erspüren.
  • Genug Platz für Lachen, Komik, Leiden, Trauer – Menschlichkeit eben.
  • Viel menschliche Wärme für die Kinder, in der sie körperlich und seelisch gesund aufwachsen können.

Diese Gemengelage, die so typisch für viele schwedische Kinderbücher ist, herrscht auch in Valleby vor, einer kleinen Stadt, in der fest jeder jeden kennt. Aber so winzig kann ein Städtchen gar nicht sein, um nicht auch kriminelle Energie in ihren Mauern zu haben. Wie gut, dass Lasse und Maja, zwei Grundschulkinder aus derselben Klasse den „Geheimnissen“ ihrer Umgebung nachspüren.

Im Juli 2018 erschien ihr 27. Fall, „Das Schlossgeheimnis“: Wenn in Valleby der Schlossherr persönlich, Graf Erik von Farsen, zu einer Schokoladenverkostung der edlen Art einlädt, werden auch schon mal Erwachsene zu Kindern. Mit der Psyche der Menschen scheint sich der Graf auszukennen: ein wenig Glitzer, ein bisschen Glanz, schöne Worte und edle Schokolade lässt auch die härtesten Typen in Valleby dahin schmelzen und ihre Hirne benebeln. In erstaunlich kurzer Zeit sind sie bereit, ihr Erspartes dem Grafen zur Verfügung zu stellen, um sich schon bald im Schokoladen-Business große Gewinne zu erhoffen. Wäre da nicht Lasse und Maja, die mit ihren wachen, detektivisch geschulten Kinderaugen die Ungereimtheiten dieses Deals erkennen würden! Am Ende kommt alles so, wie es die Gerechtigkeit und Sittlichkeit der ehrbaren Bürgerschaft verlangt. 

Martin Widmark, der erfahrene Lehrer, gehört zu der Sorte Autoren, die sich in Kinderseelen traumhaft sicher einfühlen können. Das Sicheinfügen in das reale Leben im Städtchen, das Kratzen an deren Würdenträgern, das schöne Abdriften in die Fantasie sowie die kindgemäße Sprache, all das entstammt der Welt von Grundschulkindern. 

In den LasseMaja-Krimis geht es nie um Leben oder Tod, sehr oft geschehen die Fälle aus irgendeiner Not heraus, manchmal sogar ohne böse Absicht des Täters. Und wenn der Übeltäter ermittelt ist, so schleicht sich beim Leser eher Mitgefühl als Schadenfreude ein. Wiederum kommt einem Astrid Lindgren in den Sinn: Ihre Landstreicher, die nahezu regelmäßig ihr Elternhaus aufsuchten, waren nie böse, falsch oder hinterlistig. 

Mag so mancher Astrid Lindgren vorwerfen, mit Bullerbü Kindern eine Idylle vorzuzaubern, die auch früher so nie existierte, trifft dies auf Martin Widmark sicherlich nicht zu. Bei seinen Figuren tauchen Menschen jeglicher Couleur auf, Licht- und Schattenseiten inklusive.

Geistig-genial verbunden mit den LasseMaja-Geschichten sind die erfrischend heiter-karikaturesken Illustrationen von Helena Willis.  

Detektivbüro LasseMaja – Das Schlossgespenst
Ueberreuter Verlag

Buchbesprechung (Klasse 6)

Von Anke Stelling, cbj

Erna und die drei Wahrheiten

Garantiert eine Gemeinschaftsschule tatsächlich Gemeinschaftssinn? Nicht immer jedenfalls, wie diese Geschichte zeigt. Ungerechtigkeit und Verlogenheit tauchen natürlich auch hier auf. Jemand hat die Klos verwüstet. Wer ist dieser Jemand? Sollen wirklich alle dafür büßen müssen? Erna meint „Nein!“ Und fängt an zu ermitteln. Der Täter war ein Junge. Genug Material für Diskussionen. 


Von Claudia Rinke, Planet! – Verlag

Die Braut – Radikal verliebt

Anna fühlt sich nicht mehr wohl zu Hause. Vater ist tot, ihre Mutter zeigt Anzeichen von Depression, ihr Leben erscheint mehr und mehr sinnlos. Da wird sie zufällig auf Abu Salman aufmerksam, einen Deutschen, der in Syrien auf Seiten des IS kämpft. Seine netten Worte tun ihre Wirkung. Bald darauf tritt sie die Reise nach Syrien an. Dort kracht innerhalb kurzer Zeit ihre hochgesteckte Erwartung zusammen.

Hochinteressant, diesen Weg eines jungen Mädchens zu verfolgen, der wahren Geschichten nachempfunden ist. 


Von Gerd Schneider, Arena Verlag

Kafkas Puppe

Ein kleines Mädchen im Berlin der zwanziger Jahre ist nicht zu beruhigen. Seine Puppe ist weg. Da behauptet ein ihr fremder Mann vollen Ernstes, ihre Puppe sei auf einer großen Reise. Und von da an übergibt er ihr täglich einen Brief ihrer Puppe.

Zwei Geschichten in einer verwoben. Vordergründig geht es um die Tröstung eines kleinen Mädchens durch Geschichten; im Hintergrund jedoch geht das Leben des Schriftstellers Franz Kafka zu Ende. Eine fesselnde, vielleicht sogar geniale Geschichte.