Jacky Marrone, der Detektiv, der mit technischer Raffinesse und gesundem Fuchs-Verstand gewaltige Erfolge einfährt

Jacky Marrone rettet die drei kleinen Schweinchen
von Franziska Biermann
dtv junior
ISBN: 978-3423762410

Keine Frage, im Tierreich angesiedelte Detektivgeschichten haben ihren eigenen Reiz. Und niemand eignet sich als Detektiv wohl besser als ein Fuchs, dem doch in Märchen und Fabeln so viel Schläue attestiert wird.

Die Ereignisse, die auf Jacky Marrone, den ausgekochten Detektiv hereinbrechen, überschlagen sich. Doch er versteht sein Handwerk. Keiner zeigt sich für ultramoderne, technisch-raffinierte Ermittlungsmethoden so aufgeschlossen wie er: Sein Helm ist in der Lage, Gedanken zu lesen und sein Fahrrad besitzt einen Knopf für den Autopilot-Modus. Aber der große Jacky Marrone weiß auch psychologisch richtig vorzugehen. Tipps von Alice, einer Katze, die unter anderem einen exklusiven Laden für Detektiv-Ausstattung führt, nimmt er gerne an und sichert sich dadurch ihren Beistand.

Die drei kleinen Schweinchen aus dem berühmten englischen Märchen sind in Not. Sie, die erfolgreichen Bauunternehmer werden systematisch von einem Phantom, einem Wesen in Schwarz, zu nächtlicher Stunde attackiert. Zum Glück gelingt es Jacky dieses Ungeheuer mit einem Netz aus Lichtstrahlen zu enttarnen: den Wolf. Damit aber nicht genug. Als der Wolf seine Leidensgeschichte schildert, die seine Wurzeln im berühmten Märchen hat, muss der geniale Jacky tief in die psychoanalytische Trickkiste greifen, um eine Lösung herbeizuführen.

Franziska Biermann gelingt es meisterlich, mit dieser Buchreihe, die voller Schwung und Verrücktheiten, voller Witz und knallbunter Ideenfülle erzählt wird, die Grundschüler, denen diese Geschichten zugedacht sind, bei Laune zu halten.

Wer “abhängen” falsch versteht, hat sich verraten.

Die Vampirschwestern (black und pink): Vampirjagd beim Schulfest von Nadja Friedrich
Loewe-Verlag
ISBN: 978-3743205185

Vampira kommen aus Transsilvanien, logo. Halbvampire auch. Was ein  Halbvampir ist? Nun ja, das ist ein Wesen, von dem ein Elternteil ein mensch, der andere ein Vampir ist. Das Zusammenleben beider Wesen – darum geht es bei dieser Buchreihe – ist an sich kein großes Problem. Etwas aufregend allerdings wird es, wenn bei einem Schulfest in Deutschland auch Vampire und Halbvampire mitfeiern. Der Knaller ist dann erreicht, wenn so ein Halbvampir von seiner Wesens-Zugehörigkeit keine blasse Ahnung hat.

Beim Schulfest in Bindburg passiert all das. Zum Glück sind Silvania und Dakaria, die Zwillinge und Halbvampire aus Transsilvanien anwesend. Sie fühlen sich befähigt, Vampir-Tests durchzuführen. Bei der geheimnisvollen Luna scheint das bitter nötig zu sein.

Luna verrät sich letztlich selbst, so dass der eigentliche Test nur mehr eine doppelte Bestätigung ist. Das jugendliche Modewort “abhängen” hat für Halbvampire eine weitere Bedeutung. Luna hat jedenfalls einen klaren Hinweis auf ihr Halbvampir-Wesen gegeben, als sie plötzlich kopfüber an einer Tafel in einem Klassenzimmer hängt und zufrieden aussieht. “Ist echt bequem, so abzuhängen”, meint sie.   

Eine munter-heitere Geschichte, die nie langweilig wird. Dafür sorgen Silvania, Dakaria und Luna. Große Überraschung, als Lunas Vater erfährt, dass er mit einer Vampirfrau verheiratet ist.

Menschen und Vampire leben miteinander, wissen aber immer noch zu wenig voneinander. Das birgt Spannung. Gepaart mit Witz, Gruselelementen und der erfrischenden Unbekümmertheit der Halbvampir-Schülerinnen ergibt Stoff für kurzweilige Lesestunden. Insbesondere Mädchen werden daran ihre Freude haben.

Die Purzelbäume der Hasenkinder

Wenn Hasen gute Laune haben
von Axel Scheffler und Frantz Wittkamp Beltz&Gelberg
ISBN: 9783407754745

Zeigt sich Ostern am Horizont, tauchen in den Regalen die neuen Osterbücher auf. Der Blick fällt auf Osterhasen-Familien, Waldlichtungen, weiße Hühner und farbige Eier. Hatten wir das nicht schon mal? Die fröhliche Osterhasenschule lässt grüßen. Liegt man mit der Annahme so ganz falsch, dass sich Autoren schwer tun, bei diesem Sujet wirklich Neues zu generieren?

Wenn schon thematisch kein Knüller, so hebt sich dennoch immer wieder ein Buch in der alljährlichen Osterauslage ab, das durch außergewöhnliche Bildkunst oder besondere Sprachgestaltung auffällt. So eines ist dieses Jahr “Wenn Hasen gute Laune haben” von Axel Scheffler (einer der erfolgreichsten Bilderbuchillustratoren)

und Franz Wittkamp (Schöpfer von wunderbaren Kinder-Gedichten).

Beschwingt, gelenkig und sonnigen Gemüts turnen da – oder besser: kaspern da Hasenkinder im Grünen herum. Zum witzigen Bild passt der locker-luftig-melodiöse Text: “Manchmal beim Spazierengehen / an besonders schönen Tagen / kann man Hasenkinder sehen, / wenn sie Purzelbäume schlagen.”

Okay, Text und Bild erfinden hier den Weltenlauf nicht neu. Vielleicht reicht es aber auch schon, den Leser und Betrachter einfach nur zu verzaubern und in gute Stimmung zu versetzen. Einer solch wohltuenden Leistung eines Buches darf man durchaus Achtung entgegenbringen. Bücher, die das vermögen, tragen bei zur psychischen Gesundheit, sind Wellness für Herz und Seele.

Wer Kinder im Grundschulalter hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es eignet sich zum Vorlesen, zum gemeinsamen Lesen, aber auch zum Allein-Lesen von der 2. Klasse an. 

Das Zombiemädchen, das die Herzen aller im Sturm erobert

Mortina – Das große Verschwinden
von Barbara Cantini
dtv-junior
ISBN: 9783423762731

Wer glaubt, Kinderbücher schwebten unangreifbar auf einer ewig-gut-Wetterwolke selig dahin, liegt falsch. Kritik entzündet sich immer wieder aus pädagogischem Empfinden heraus. Was pädagogisch gut bzw. unmöglich ist, konnten auch hitzige Diskussionen über Jahrhunderte hinweg nicht wirklich klären. Objektiv feststellen kann man aber die Themen und Figuren, die in heutiger Zeit Akzeptanz erreicht haben. Dazu zählt alles rund um Zombies, die Untoten; die Wesen also, die sich immer noch unter den Lebenden herumtreiben, obwohl ihre Erdenzeit längst abgelaufen ist. Nicht nur akzeptiert, geradezu willkommen geheißen sind sie im Themenspektrum der Kinderbücher. Gruseleffekte werden hier als Kaufanreiz und Lesemotivation gesehen.

Ein neue Reihe dieser Kategorie ist “Mortina“. Hier steht ein Mädchen im Mittelpunkt: etwas schüchtern, doch niedlich und reizend, dem die Herzen aller LeserInnen schon nach der ersten Seite zufliegen. Auch wenn dieses Mädchen einen beunruhigenden Namen trägt: nicht Martina, sondern Mortina, mit “o” also, das lateinische Wort “mors” = Tod enthaltend.

Mortina, das Zombiemädchen mit ihren 6 oder 7 Jahren, weiß von ihrer Tante Dipartita um ihr Problem: eine Freundschaft zwischen Zombies und normalen Menschen geht nicht. Punkt. Für sie wird der Gartenzaun zur Festungsmauer, die sie strikt von der Außenwelt trennen soll. Dabei sieht das Nachbardorf so verlockend und einladend herüber. Eigentlich wäre alles da, was Mortina so zum Leben braucht: reichlich Essen, eine stattliche Villa mit Turm, eine sich sorgende Tante, ein Albino-Hund zum Spielen.

Doch ist das wirklich alles? Nein!

Mortina spürt in sich den drängenden Wunsch nach Lachen und Spielen in Gemeinschaft. Es ist die Einsamkeit, das Alleinsein, der Mangel an Kommunikation, was Mortina dazu bringt, (moralische) Grenzen und (feste) Mauern zu überschreiten. Not macht erfinderisch, das gilt auch für Zombies. Und siehe da, die Kinder der anderen Seite sind humaner und toleranter als erwartet. Eine offene Gesellschaft weiß auch Zombies zu integrieren. Aus der irrationalen Angst voreinander wird ein produktives, entspanntes Miteinander, Halloween sei Dank! Soweit der erste Band: “Ein Mädchen voller Überraschungen”.

Im soeben erschienenen zweiten Band “Das große Verschwinden” sind die Dorfkinder fast schon Stammgäste in der Villa Decadente. So eine alte, morbide Villa, die nicht zuletzt auch wegen ihrer seltsamer Bewohner von einer magisch-geheimnisvollen Aura umgeben ist, besitzt per se Abenteuer- und Gruselpotenzial. Normales Leben vermischt sich hier zwangsläufig mit fantastischen Vorgängen, was aber bei Kindern eher ein Plus gesehen wird. Alltag wird daheim zur Genüge geboten, die Villa Decadente, Tante Dipartita und Mortina, das Zombie-Kind, stehen für Abgedrehtheit, Zauberwelt und Sonder-Effekte.   

Eigentlich war Tante Dipartita nur an biologischer Forschung interessiert, als sie anfing, liebevoll und systematisch zum Efeu im Haus zu sprechen. Nie hätte sie geglaubt, dass sie diese Pflanze dadurch zu gigantischem Wachstum animieren würde. Und es blieb nicht dabei, der Efeu griff auf Menschen über und verschlang sie geradezu. Wer von den Kindern bekommt im Dorf schon so etwas geboten?

Den Hauptanteil an der Ästhetik und der moralischen Kraft von Mortinas Geschichte tragen die genialen Illustrationen von Barbara Cantini. In diesen grazilen Meisterwerken liegt viel Wärme, stille Heiterkeit und Besänftigung inmitten all des Trubels. Die dem Text gleichgestellte Bildkunst nimmt durch ihre filigran-detaillierte, versteckt-witzige Art der Darstellung der kindlichen Angst die Spitze und vermittelt den jungen Leser von Anfang in die Gewissheit, dass alles so schlimm nicht werden wird.

Barbara Cantini ist mit diesen zwei Büchlein ein faszinierendes Werk gelungen, das sich aus urkomischen Situationen, die aus zwei unterschiedlichen Lebensentwürfen gespeist sind, aus dem potenziell unberechenbaren Miteinander von Zombies und Menschen sowie aus den gewagt-kreativen, witzig-erfrischenden Lösungsversuchen zusammensetzt.

Wünschen wir der Künstlerin die Kraft, die Fantasie und die Ausdauer, die sie als Autorin und Illustratorin braucht, um noch viele Bände dieser Art den Grundschülern dieser Welt zu schenken. Sie stellen die beste Werbung für das Lesen dar. Ob Leseprofi oder Video-Fan – Mortina schafft es, alle zu begeistern.

Auch in Afrika gibt es für einen Detektiv immer viel zu tun

Thabo und Emma: Ein böser Verdacht
von Kirsten Boie
Verlag Oetinger
ISBN: 9783789110689

Kirsten Boie ist eine der vielseitigsten Schriftstellerinnen in Deutschland. Mit der Buchreihe “Thabo und Emma” betritt sie Neuland. Nicht nur, dass sie Geschichten aus dem realen Alltag der Protagonisten erzählt, sondern ein Land und eine Kultur vorstellt, mit der wohl nicht sehr viele in Europa vertraut sein dürften: Swasiland im Süden Afrikas.

Kirsten Boie ist Expertin. Zig-Male hat sie Swasiland besucht und Anteil am Schicksal der Menschen genommen. Es ist der zweitkleinste Staat Afrikas, doch bezüglich der Aidsrate ist er – leider – spitzenmäßig. Sie setzt sich seit Jahren für eine Aids-Waisen-Hilfsorganisation ein. Daraus ist ihr Buch “Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen” für Jugendliche entstanden.

Die “Thabo und Emma”-Geschichten sind für Kinder von 7 bis 10 gedacht und erzählen von erfundenen Kriminalfällen rund um die Lion Lodge am Rande eines Safari-Nationalparks. Thabo, ein Waisenjunge, der bei seinem Onkel lebt, weiß genau, was er einmal werden will: Detektiv. Ihm zur Seite steht Emma, ein englisches Mädchen, deren Mutter die Lion Lodge betreibt. Arbeit gibt es für die beiden genug: Da ist Mister Brown, ein weißer Tourist. Er ist außer sich, da seine Brieftasche, die der Schuhputzer zufällig gefunden und ihm übergeben hat, leer ist. Inspektor Gwebu lässt sich von Mister Brown überrumpeln und sperrt den armen Paki ein. Zum Glück aber werden Thabo und Ema aktiv und stellen alles am Ende richtig.

Man muss den Mut und das Engagement von Kirsten Boie bewundern, authentisch und kindgemäß afrikanische Lebenswelt spannend, lustig, angenehm und sehr menschlich darzustellen. Warum nicht auch unter Zuhilfenahme der Krimi-Schablone?

Was dabei herauskommt, ist höchst bemerkenswert: Geschichten mit Tiefgang, wunderbare Erzählungen aus einem Land, das noch voller Probleme steckt, aber Augen und Geist der jungen Leser aufschließt für eine fremde, exotische Welt. Nicht mit dem Zeigefinger, nicht mit Gejammer, sondern – in der Form, wie Kinder von Natur aus Neues für sich entdecken – einfach mit munterem Drauflosgehen und neugierigem Anpacken. Und plötzlich erscheint diese Welt aufregend interessant und voller Lern- und Entdeckungsmöglichkeiten.

Und nebenbei schildert Kirsten Boie unaufgeregt das normale tägliche Miteinander von Weißen und Farbigen. Wie es in manchen Gebieten Afrikas schon seit Jahrhunderten so abläuft.